Das Ethereum Istanbul-Upgrade

Ein kleiner Blick über den Tellerrand: im Laufe des heutigen und morgigen Tages passieren interessante Dinge bei Ethereum. Die Open Source-Software und das gleichnamige Netzwerk Ethereum bilden ein verteiltes System für DApps, die unter die Kategorie der Smart Contracts fallen. DApps kann man sich als „distributed decentraliced cloud computing“ vorstellen. Als Datenstruktur wird eine Blockchain eingesetzt. (Rudimentäre) Anwendungen (Beispielprogramm) werden dort verewigt und können über entsprechende Clients angesprochen werden.

Das Ganze basiert momentan überwiegend auf JavaScript(-ähnlichen Sprachen) und fühlt sich wie die Entwicklertools-Konsole im Webbrowser an. Aber es funktioniert und das sogar erstaunlich gut.

Ressourcen in Form von CPU-Zeit, etc. werden über den eigenen Token Ether verrechnet. Und da haben wir es: bei Ethereum stehen wir zur Hälfte in der Welt der Kryptowährungen – aber eben nur zur Hälfte.

Ethereum unterscheidet sich von Bitcoin nicht nur in den DApps sowie der Struktur. Das Netzwerk ist geprägt von ständigem Wandel, Weiterentwicklung und resultierenden Upgrades. Weit am Horizont steht der Umstieg auf "Ethereum 2.0" an. Dabei geht um die Umstellung von Proof of Work-Verfahren mit den Minern hin zum Proof of Stake-Verfahren mit sog. Validatoren. Da diese Umstellung tiefe Einschnitte in jeglicher Weise für das Netzwerk bedeutet, wird die Migration schrittweise vollzogen.

Hard Fork-Upgrade

Teil der Migration sind Upgrades, die mitunter zu einem Hard Fork führen. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Änderungen nicht abwärtskompatibel sind, also mit dem Upgrade Abläufe und Verhaltensweisen erlaubt werden, die vorher verboten waren. Wird ein Upgrade nicht von ausreichend Nutzern adaptiert, kann sich die Blockkette teilen.

Hard Fork visualisiert

Schauen wir uns das in der Grafik einmal an und fangen oberhalb der gestrichelten Linie an, wo Version 1 läuft: Blöcke werden wie üblich der Blockchain angefügt, indem sie auf einen Parent bzw. Elternteil verweisen. Somit lässt sich rekursiv der Weg zum Urblock, dem Genesis-Block, zurückverfolgen. Das Proof of Work-Verfahren sagt weiterhin aus, dass Grundlage für neue Transaktionen die Kette an Blöcken ist („best block chain“), für die der meiste Aufwand in Form von Mining nötig war. So erklären sich auch die doppelten Blöcke mit der gleichen Nummer: sie gelten als „abgelaufen“ (stale), sofern eine andere Kette mehr Nachfolger hat. Soweit so gut – schauen wir uns nun den Bereich unterhalb der gestrichelten Linie an: hier wird Version 2 betrieben. Anfangs bei Block 99 verhält sich das System genau wie Version 1. Es ist allerdings einprogrammiert, dass ab Block 100 die Änderungen scharf gestellt werden. Das hat zur Folge, dass die dann weitergeführte Blockchain nicht mehr mit Version 1 kompatibel ist.

Problematisch ist dies, weil somit double spending, das mehrfache Ausgeben des gleichen Coins, möglich wird: wer bis zum Block 99 einen Coin in seiner Wallet hatte, kann ihn nun auf beiden Chains zwei Mal ausgeben, da die Ketten nicht mehr miteinander kommunizieren können. Werden Coins aus der Version 1-Blockchain (ab Block 100) von einer Exchange sogar noch zum Handel angeboten, ist das Chaos perfekt: dann haben wir einen weiteren Altcoin (alternative coin) mit eigenem Kurs, etc. Da alte Vermögen (die von Block ≤ 99) ebenfalls gültig sind, haben wir quasi neue Token geschaffen – der Rest ist Auslegungssache vom Finanzamt.

Um nicht durch die potentielle Fragmentierung Schaden zu erleiden, sind deshalb die Entwickler von solchen Systemen meist bemüht, eine hohe Adaption von Upgrades zu erreichen. Dazu aber später noch mehr.

Istanbul-Upgrade

Das Upgrade mit dem Codenamen Istanbul wirkt ab Blocknummer 9.069.000 und bringt für Ethereum einige Neuigkeiten mit:

Übrigens: die erwähnten Opcodes sind wirklich als solche zu verstehen, da Smart Contracts / DApps kompiliert werden und nur das Kompilat mit den eigenen Opcodes samt ABI in der Blockchain gespeichert und schließlich in der Ethereum Virtual Machine (EVM) ausgeführt wird.

Aber irgendwie will das Upgrade diesmal nicht so: auf ethernodes.org/istanbul lässt sich beobachten, wie viele Nodes dieses Upgrade bereits installiert haben (durch ein simples Update des Node-Clients wie geth oder parity). Momentan sind es zum Zeitpunkt des Artikels nur knapp 50 %. Gewünscht wären > 95 %.

Dabei tickt die Uhr: heute Nacht um ca. 01:00 Uhr MEZ soll Block 9069000 erreicht und das Upgrade vollzogen werden. Es bleibt zu schauen, was passiert.

Ethereum Forks sind im Gegensatz zu Bitcoin nicht unüblich: so entstand durch einen erzwungenen Hard Fork durch das Entwicklerteam in Folge des DAO-Hacks Ethereum Classic.






chkservice - ein Tool um systemd Einheiten im Terminal zu verwalten

Vor Jahren hatte ich mal eine Infografik zu systemd und sys-v-init auf ITrig.
Seitdem hat sich viel getan, systemd ist auf dem Vormarsch und sys-v-init gerät ins Hintertreffen. Dienste bzw. Einheiten werden heute meistens mit systemctl verwaltet.

Doch wie lassen sich Einheiten mit mit systemd noch einfacher verwalten?
Ein Autostart mit systemctl enable xyz.service ist schnell gemacht, praktischer wäre allerdings eine Übersicht, ähnlich wie sie noch von sysv-rc-conf oder chkconfig bekannt ist.

chkservice

Chkservice

bietet dem Anwender genau diese umfassende Sicht auf alle systemrelevanten Dienste und ermöglicht deren schnelle Anpassung.
Der Systemmanager nutzt ncurses als Schnittstelle und erlaubt es Einheiten zu aktivieren, deaktivieren oder zu maskieren.

Chkservice installieren

Das Paket ist in Ubuntu 18.04 integriert und lässt sich fix installieren

sudo apt install chkservice

Chkservice verwenden

Die Bedienung ist ebenfalls leicht.

chkservice-hilfe


Fazit

Wer mit dem Terminal weniger zurecht kommt, hat mit chkservice ein gutes Tool an der Hand, um sich einen Überblick zu verschaffen und Einstellungen vorzunehmen.
Allen anderen wird wohl systemctl list-units, systemctl disable xyz.service und Co weiterhin ausreichen.






Threema Lizenzen zu verschenken

Wie in den letzten Jahren werde ich auch dieses Jahr wieder Threema Android Lizenzen verschenken. Dieses Jahr werde ich 5 Lizenzen verschenken. Dazu erhalten die Gewinner oder Glücklichen von mir einen Lzenzschlüssel, mit dem sie auf der Webseite von Threema dann den Android Client nach Eingabe des Lizenzschlüssel herunterladen können.

Es ist nicht möglich, damit Threema vom PlayStore sondern nur aus dem Threema Store herunterzuladen.

Teilnahme

Die Teilnahme ist ganz einfach. Die ersten 5 Nutzer die mich via XMPP / Jabber anschreiben wird (pr3ach3r@trashserver.net) und die folgenden Fragen richtig beantworten kann:

1.) Aus welchem Land kommt Threema? 2.) Was bedeuten die 3 grünen Punkte bei einem Threema Kontakt? 3.) Was ist der Threema Safe?

Ich freue mich auf eure Einsendungen. Ich möchte festhalten ich stehe in keine Zusammenhang mit Threema. Ich kaufe die Lizenzen zum vollen Preis und dieses soll auch keine Werbaktion für mich oder Threema sein. Ich will nur einen kleinen Teil zu mehr Datenschutz und Sicherheit beitragen.






asciinema: Screencasts aus dem Terminal

Ein kleiner Tipp zum Nikolaus: asciinema ist ein Tool, auf das ich schon vor längerer Zeit gestoßen bin, vor allem durch die Landing Pages einiger typischer "fancy {cloud, ai, ...} tools".

In aller Kürze

Bei asciinema handelt es sich in erster Linie um ein Python-Tool, das auf dem Computer installiert wird. Soll eine Terminalsitzung dann aufgezeichnet werden, muss asciinema rec eingegeben werden. Dann wird wie in einem Screencast alles, was ein- und ausgegeben wird, in Echtzeit aufgezeichnet. Nach der Eingabe von exit oder Ctrl+D wird nun angeboten, entweder eine .cast-Datei abzuspeichern oder diese auf dem Portal asciinema.org hochzuladen. In der .cast-Datei befinden sich alle nötigen Informationen des Screencasts im – wer hätte es gedacht – ASCII-Format. Diese .cast-Datei kann nun mit entsprechender JavaScript-Lib in einem HTML5-Browser angezeigt werden. Wer das Ganze mehr hosted/SaaS-like haben möchte, kann auf den Service asciinema.org zurückgreifen.

Beispiel gefällig? Ich habe hier etwas vorbereitet.

Fazit

Aus meiner Sicht ein nettes Tool. Ich hatte es bisher nicht eingesetzt, aber im Zusammenhang mit Live Demos in Vorträgen fiel asciinema als gute Fallback-Variante ein.






Tresorit unter Linux (Debian/Ubuntu) installieren

Nachdem ich jahrelang Google Drive (Schande über mich) als Cloud Speicher für einige Dinge genutzt habe, habe ich mich in den letzten Wochen nach einer sicheren Alternative umgeschaut. Ich habe mich für Tresorit entschieden. Da dieses ein bezahlter Cloud Anbieter ist, werde ich nichts weiter dazu erläutern, weil ich keine Werbung hier machen möchte. Jeder soll hier sich für seinen Anbieter entscheiden.

Download Linuxclient

Einer der wichtigen Punkte warum ich mich für Tresorit entschieden habe, war das es einen vollwertigen Linux Client gibt. Dieser kann über die Webseite heruntergeladen werden:

Download Linux Client

Installation

Die Installation des Clients ist sehr einfach, da es sich um einen run Script handelt. Dazu werden wir einfach das Script ausführbar machen:

chmod +x tresorit_installer.run

Danach einfach als Nutzer die Installation ausführen:

./tresorit_installer.run

Die Installation hat bei mir nur knapp 5 Sekunden gedauert und keine Abhänigkeiten gehabt. Es erscheint nur eine kleine Warnung beim ersten Start:

Warning: Ignoring XDG_SESSION_TYPE=wayland on Gnome. Use QT_QPA_PLATFORM=wayland to run on Wayland anyway.

Das war es auch schon.






Firefox Private Network: Kostenpflichtige Beta von Mozillas systemweiten VPN

Nach dem Start von Mozillas VPN-Erweiterung für Firefox im September dieses Jahres hat Mozilla nun den Start der kostenpflichtigen Beta für sein systemweites VPN bekannt Firefox Private Network gegeben, zunächst für Nutzer von Windows 10 in den USA. Andere Desktop-Plattformen, iOS, Android und Chromebook folgen bald, ebenso die Ausweitung auf andere Länder.

Was ist Firefox Private Network?

Mozilla baut sein Produkt-Portfolio rund um das Thema Privatsphäre unter der Firefox-Marke weiter aus. Nicht nur der Firefox Browser hat in den letzten Monaten verstärkt Privatsphäre-Verbesserungen erhalten, auch wurde mit Firefox Lockwise ein Passwort-Manager für Android und iOS entwickelt und mit Firefox Monitor gibt es einen Dienst, welcher überprüft, ob die eigene E-Mail-Adresse schon einmal Teil eines bekannten Datenlecks geworden ist. Firefox Private Network ist der neueste Mozilla-Dienst dieser Kategorie. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Virtual Private Network, oder kurz: VPN.

Firefox Private Network verfolgt primär zwei Ziele. Zum einen soll sämtlicher Verkehr verschlüsselt werden, um so sensible Daten wie Passwörter, E-Mails oder Kreditkarteninformationen vor Angreifern zu schützen. Zum anderen wird aber auch gezielte Werbung erschwert, da der tatsächliche Standort vor Websites und Werbe-Netzwerken versteckt wird.

Neben der Verbesserung des Angebots, um die Privatsphäre der Nutzer zu verbessern, ist das Firefox Private Network auch Teil von Mozillas Strategie, unabhängiger von den Einnahmen durch Suchmaschinen zu werden. Stand 2018 kommen 91 Prozent von Mozillas Einnahmen durch Suchmaschinen.

Firefox Private Network als Firefox-Erweiterung

Im September 2019 hat Mozilla die öffentliche Betaphase des Firefox Private Network als Erweiterung für den Firefox Browser für Nutzer in den USA gestartet. Der Vorteil dieser Lösung: Die Installation ist einfach, funktioniert auf jedem Desktop-System und kann innerhalb des Browsers per Knopfdruck an- und ausgeschaltet werden. Dafür kann die Firefox-Erweiterung natürlich nur den Datenverkehr schützen, welcher innerhalb des Browsers anfällt.

Für das VPN via Firefox-Erweiterung arbeitet Mozilla mit Cloudflare zusammen.

Die kostenlose Firefox-Erweiterung enthält ab sofort zwölf Pässe pro Monat, welche jeweils für eine Stunde gültig sind.

Firefox Private Netwerk als systemweites VPN

Für Nutzer in den USA ist ab sofort die Voranmeldung zur kostenpflichtigen Betaphase von Mozillas systemweiten VPN möglich. Damit wird nicht nur der Datenverkehr innerhalb von Firefox, sondern auf dem gesamten System geschützt, also auch für Nutzer von Google Chrome und anderen Browsern oder Anwendungen.

Firefox Private Network Windows-Client

Für das systemweite VPN arbeitet Mozilla mit dem schwedischen VPN Mullvad zusammen.

Der zeitlich limitierte Einführungspreis während der Betaphase beträgt 4,99 Dollar pro Monat. Es gibt eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie. Der Nutzer kann einen Server aus über 30 Ländern auswählen und bis zu fünf Geräte verbinden.

Firefox Private Network Beta Preis

Mozillas systemweite VPN steht derzeit nur für Nutzer einer 64-Bit-Version von Windows 10 zur Verfügung. Die Unterstützung von Linux, Apple macOS, Apple iOS, Google Android sowie Google Chromebook soll bald folgen. Ebenso sollen bald auch Nutzer außerhalb der USA das Firefox Private Network nutzen können.

Firefox Private Network Beta Verfügbarkeit

Der Beitrag Firefox Private Network: Kostenpflichtige Beta von Mozillas systemweiten VPN erschien zuerst auf soeren-hentzschel.at.






Snaps oder Flatpaks - Es gibt kein zurück

Kaum etwas ist aktuell im Bereich des Linux Desktops zu umstritten wie die neuen Paketformate. Vorbei die Zeiten der Desktop Flamewars, nun geht es um die Art der Programminstallation. Doch gleich welches der beiden Formate sich durchsetzt oder ob es eine dauerhafte Koexistenz gibt - die klassische Paketverwaltung wird so nicht überleben.

Die Paketverwaltung gehört neben dem Kernel seit vielen Jahrzehnten zur DNA von Linux als Betriebssystem. Egal wie die Distribution hieß, egal welche Architektur sie bediente: Eine Form der Paketverwaltung gab es immer. Die Art und Weise der Richtlinien zur Paketierung gruppierte Linux Distributionen in Rolling Release oder Stable und formte damit identitätsstiftende Lager. Der Umgang mit einer Paketverwaltung war zu jeder Zeit der vereinende Rahmen um die fragmentierte Linux Familie und unterschied sie von den Alternativen Systemen Windows und macOS.

In dieses ausdefinierte Linux Ökosystem platzten vor einigen Jahren die neuen Formate, die heute als Snaps und Flatpaks firmieren. Anfangs belächelt, zogen sie in den vergangenen Veröffentlichungen in immer mehr Distributionen ein und nehmen in diesen zunehmend mehr Raum ein.

Die neuen Formate unterscheiden sich - simplifiziert ausgedrückt - von den bisherigen Systemen, weil sie ein Kernelement von Linux Distributionen abschaffen. Aufwändig aufgesplittete Software, in riesigen Abhängigkeitsbäumen mit vielen Dependenzen sollten mit ihnen der Vergangenheit angehören. Die neuen Formate beinhalten einen Großteil der benötigen Abhängigkeiten selbst und setzen lediglich sehr allgemeine Basis-Pakete voraus.

Das löste Widerstand aus, weil viele Linux Anwender Stolz darauf auf ihre schlanken Systeme sind und dass im Idealfall keine Bibliothek doppelt auf dem System vorhanden ist. Angesichts gegenwärtiger Fest- und Arbeitsspeicherkapazitäten aber ein nachrangiger Faktor, der vor allem der persönlichen Befriedigung dient.

Trotz der vielen und teilweise sicher begründeten Kritik gibt es kein zurück zum Status quo ante. Aus folgenden Gründen:

Die klassische Paketverwaltung wird deshalb nicht sofort verschwinden. Mir fehlt zur Zeit die Fantasie um mir die Verwaltung des Basissystem mit den neuen Formaten vorzustellen. Im Bereich der Desktopumgebungen und Programme ist der Wechsel aber nicht mehr aufzuhalten.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von harshahars via pixabay

"






Kommentar: Verschwörungen, Ressentiments, Reaktionärer Konservativsmus

Wer bei dieser Überschrift an eine politische Partei denken mag liegt zumindest hier falsch. Diese drei Begriffe bezeichnen meiner Meinung nach die öffentlich in den (deutschen) Kommentarspalten (z. B. bei Pro-Linux, Heise und Golem), sowie in diversen Foren auftretende Linux-Gemeinschaft.

Ich hatte mich dazu kürzlich schon mal geäußert (siehe: Linux Anwender - Nörgeln bis das Ende kommt) und daher in den letzten Wochen die Kommentarspalten in dieser Hinsicht überflogen. Das jüngste Beispiel fand sich im Artikel zu Veränderungen bei Flatpak. Die neuen Paketformate gehören neben allem was von Lennart Poettering stammt zu den größten Hassobjekten einer reaktionären Nutzergemeinschaft, die im Internet immer zahlreicher auftritt.

Ich möchte an dem Beispiel mal kurz auflisten was man alles in den Kommentaren lesen darf:

Hinter Veränderung wird Zentralismus und Abkehr von den Idealen freier Software gewittert, gepaart mit schönen Verschwörungstheorien, weil Red Hat jetzt zu IBM gehört. Aber nicht nur Red Hat und IBM sind böse, nein die GNOME Foundation ist es auch. Gelder würden schließlich in irgendwelchen gerichtlichen Auseinandersetzungen versinken oder die Software gleich von der NSA unterwandert werden. Nebenei wird man natürlich wie Windows und bekommt deshalb wahlweise eine DLL Hölle oder noch schlimmer: Ein Mainstream-taugliches System. Schutzmaßnahmen der Software sind nur für Idioten, echte Linux-Anwender haben das nicht nötig etc. pp.

Dahinter stehen Verschwörungstheorien, sowie Denkweisen und Argumentationsmethoden, die vor allem im Rechtspopulismus seit Jahren Konjunktur haben. Viele Linux Nutzer lehnen große soziale Netzwerke ab, aber die Diskussionskultur ist teils schlimmer, als in den schlimmsten braunen Schlammgruben auf Facebook oder Twitter. Ich muss mich daher leider selbst korrigieren. Die online sichtbar auftretende Linux Community nörgelt nicht nur, sie ist von Hass zerfressen. Es fehlt in der Breite lediglich das persönliche Element, wobei die Anfeindungen gegen Personen wie Lennart Poettering nicht mehr weit davon entfernt sind.

Diese Kommentare sind nicht neu, aber seit einigen Jahren gibt es zunehmend weniger Gegenrede in den öffentlichen Diskussionen. Die Plattformbetreiber haben es durch die Abwesenheit einer Moderation größtenteils erfolgreich geschafft ihre Portale zu Plattformen des Hasses, der Überheblichkeit, unreflektierten Ablehnung des Fremden und Neuen und absoluter Selbstbezogenheit einer schrumpfenden Gemeinde werden zu lassen. Neuerungen, Änderungen oder jede Form von Entwicklung wird meist rundheraus abgelehnt. Ikonen der GNU- und Linux Szene - gleich welche Verfehlungen sie begangen haben - in den Himmel geschrieben. Ein unmöglicher Umgangston gar zu einem Stil verklärt. Entwickler und Anwender, die das anders sehen ziehen sich scheinbar zunehmend zurück oder wechseln gar zu anderen Plattformen um sich dem nicht mehr auszusetzen.

Das öffentliche Auftreten der Linux Gemeinde ist - gelinde gesagt - abstoßend (intern sieht das in vielen Projekten nicht anders aus). Entwickler wandern ab, Blogger ziehen ihre Artikel aus großen Planeten ab, Kommentatoren stellen das Kommentieren ein.

Nur mal so zum Nachdenken.


Bilder:
Einleitungsbild und Beitragsbild von von geralt via pixabay 

"






elementary OS 5.1 "Hera" veröffentlicht

Die Entwickler von elementaryOS haben mit "Hera" eine Aktualisierung der aktuellen Veröffentlichung 5 herausgebracht. Im wesentlichen bündelt die neue Version die Neuerungen der letzten Jahre und integriert den jüngsten HWE-Stack in die Installationsmedien. Sie wirft aber gleichzeitig ein Schlaglicht auf eine gereifte Distribution.

Elemenetary OS basiert auf der jeweiligen Ubuntu LTS. Die neue Version 5.1 basiert wie ihre Vorgängerversion auf der LTS 18.04. Die neue Version bietet in den Paketquellen daher keine neuen Versionen der vielen Drittanbieterprogramme. Lediglich den von Ubuntu gepflegten HWE-Stack integriert man nun in die Installation. Bisher blieb elementary OS standardmäßig bei der Kernel Version 4.15, die ursprünglich in Ubuntu 18.04 enthalten war. Durch diese Änderung ermöglichen die Entwickler eine reibungslose Installation auf neuerer Hardware.

Der Blogartikel zur Veröffentlichung zeigt ansonsten sehr schön bebildert die wesentlichen Entwicklungsschritte von elementary OS im letzten Jahr, seit man die Version 5 herausbrachte.

Es gibt einen neu designten Loginscreen, der sehr sehenswert ist und nach der Installation eine informative Einführungsroutine, in der man einige zentrale Einstellungen vornehmen kann. Hinzu kommen viele kleine Änderungen an den eigenen Apps wie dem AppCenter, der Dateiverwaltung, dem Kalender und vielem mehr.

Besonders signifikant ist jedoch die Integration von Flatpak. Die Entwickler binden allerdings nicht Flathub ein, sondern kuratieren ihre eigene Sammlung, die auch über das AppCenter bereit gestellt wird.

Die Entwicklung neuer Paketformate ist immer noch sehr begrüßenswert um die Limitationen der klassischen Paketverwaltung zu überwinden (siehe: Kommentar: Flatpaks und Snaps - Ein Schritt in die richtige Richtung). Die Entscheidung für Flatpak ist allerdings eine riskante Wette der elementary-Leute. Die Ubuntu-Basis strebt Richtung Snap während das elementary-Derivat die Gegenrichtung einschlägt. Das könnte noch zu Unvereinbarkeiten führen.

Interessant dürfte daher in Zukunft sein, ob elementary OS weiterhin Ubuntu als Basis die Treue hält oder sich ggf. umorientiert.

Ansonsten ist elementary OS eine der aktuell interessantesten Linux Distributionen im Desktop Bereich. Mit der voraussichtlich im nächsten Jahr erscheinenden Folgeversion erwäge ich eine Migration der aktuellen Kubuntu 18.04 Systeme auf eOS.


Bilder:
Einleitungs- und Beitragsbild von stevepb via pixabay

"






Sicher durch den Winter mit Kali Linux 2019.4, CAINE 11 und Parrot 4.7

Kali Linux 2019.4

Zum Jahresausklang haben die Entwickler von Kali Linux noch einmal Gas gegeben.
Das neue Release wurde auf Xfce umgestellt, somit sollten Performance Probleme hoffentlich der Vergangenheit angehören. 

Außerdem wurde ein Undercover Modus eingeführt, welcher Kali wie Windows aussehen lässt. Der Windows Modus soll für weniger Aufmerksamkeit beim Arbeiten in der Öffentlichkeit sorgen, nette Spielerei.

Die Dokumentation wurde auf Gitlab migriert und steht in Markdown zur Verfügung.

Für Entwickler, die ihre Tools im Kali Repository pflegen gibt es in der Dokumentation eine Anleitung wie sie neue Pakete einreichen können.

Manche werden sie vermisst haben, andere nicht, die Powershell ist auf Kali Linux angekommen und kann einfach installiert werden

sudo apt install powershell
pwsh

kali-powershell

NetHunter Kex

Eine weitere Neuerung ist Nethunter Kex. Systeme mit Nethunter können nun an HDMI Geräte angeschlossen werden. Kurz gesagt mit dem Handy ein Kali Linux auf dem Fernseher darstellen.

Die Entwickler scheinen zumindest begeistert von der Vorstellung sein Kali immer in der Hosentasche zu haben

Raspberry Pi

Freunde von ARM Computern müssen sich spätestens nächstes Jahr umstellen, da ab 2020 nur noch 16GB SD Karten unterstützt werden.

kali-undercover

Download Kali

CAINE 11

Wurmloch wurde das aktuelle Release des Computer Aided INvestigative Environment getauft.

Die neue Version bootet automatisch komplett im Lesemodus.
Hauptsächlich wurden Tools wie OSINT oder Autopsy 4.13 erneuert und hinzugefügt

Die Distribution bringt ebenfalls Windows Tools mit, diese wurden selbstverständlich auch erweitert.

caine

Parrot 4.7

Der Papagei hat bereits im September ein Update erhalten, dieses soll aber nicht unerwähnt bleiben.

So wurde das Menü neu strukturiert, der Kernel auf 5.2 angehoben und MATE auf 1.22 aktualisiert.

Außerdem wird in Zukunft die Domain parrotlinux.org als offizielle Adresse verwendet.

parrot


Übersicht 12/2019

 

Name Version Tools Besonderes Basis GUI
Autopsy 4.13.0 ??? The Sleuth Kit Windows  
BackBox 6.0 100+ AWS Ubuntu Xfce
BlackArch 2019.09.01 1750+ ArchLinux ArchLinux Gnome
CAINE 11 100+ WinUFO Ubuntu Mate
DracOS 3.0 100+ CLI LFS DWM
DEFT Zero 2018.2 250+ Mac Support Lubuntu 14.04 Lxde
Kali Linux 2019.4 300+ ARM fähig Debian Testing Multi
Kali App Store   20+   Android  
LionSec 5.0 ??? 3 Jahre alt Ubuntu  
Matriux v3 RC1 300+ out of date Debian Gnome
NST 28 ??? Server integriert Fedora  
NetSecL OS 6.0 50+   OpenSuse Lxde
Paladin 7.0 30+   Ubuntu  
Parrot Sec 4.7 700+ Cloud fähig Debian Buster MATE/KDE
Pentoo 2018.0 RC7.1 ??? 64bit Gentoo Xfce
Ronin   150+ out of date Lubuntu Lxde
Sans SIFT 3.0 20+   Ubuntu